Bühne
Eine junge Frau sitzt an einem Tisch, arbeitet konzentriert mit Unterlagen und schreibt Notizen in ruhiger Umgebung.
 
Casey: Studieren mit Behinderungen und mangelnder Barrierefreiheit
Einleitung

Von der Belastung des Medieninformatik-Studiums in die Selbstständigkeit

Casey ist hochgradig sehbehindert. Sie hat ein nicht korrigierbares, permanentes Augenzittern (Nystagmus), wodurch sie nur erschwert fokussieren oder scharf sehen kann. Ihre Augen sind besonders lichtempfindlich, situationsbedingt ist sie sogar komplett blind. Trotzdem war Casey motiviert und nahm als Erste in ihrer Familie ein Studium auf: Die Uni in Dresden warb damit, Barrierefreiheit zu ihrer Priorität gemacht zu haben. Casey programmiert, seitdem sie 10 Jahre alt ist. Ihr liegt das Medieninformatikstudium. Aber die Studienbedingungen enttäuschten sie. Nach dem dritten Semester konnte sie nicht mehr effektiv studieren. Nach dem vierten Semester brach sie schließlich ganz ab und arbeitet seitdem freiberuflich.

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Der Abbruch – für Casey die richtige Entscheidung

So viel politisches Engagement in den Gremien der Uni hätte Casey in einer Ausbildung nicht ausüben können. Auch das Wissen und die neuen Freunde waren ein Gewinn für sie. Aber Barrieren, Zeitdruck, Geldnot und die Überlastung durch Arbeit, Uni und Engagement wollte sie nicht mehr ertragen. Ihr größtes Problem an der Universität: Barrierefreiheit wurde nicht direkt mit-, sondern stets als Erweiterung und Zusatz gedacht. Casey war seit Jahren die erste sehbehinderte Person, die dort studierte. Sie war gezwungen, ihre besonderen Anforderungen immer wieder aufs Neue zu erklären. Oft musste sie Dinge nacharbeiten oder bekam Materialien mit Verspätung. Auch ihre Assistenz, die von der Uni gestellt wurde, konnte nur begrenzt helfen. Zum Glück gelang es Casey, sich mit ihrem Können nach dem Studienabbruch selbstständig zu machen. Ihre Chancen in der Informatikbranche sind gut.

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Mehr Chancengleichheit? Verbündet euch!

Es kann schwer sein, als Person mit Einschränkung ein Studium ohne Mehraufwand zu verfolgen. Trotzdem macht Casey Hoffnung: Sie ruft die Universitäten zur offenen Kommunikation auf. Die Hochschulen seien verpflichtet, ihre Möglichkeiten, ihre Erfahrungen und ihr Können transparent zu machen. Casey hofft darauf, dass zukünftig mehr Geld für Barrierefreiheit und Inklusion – beispielsweise für Assistenzjobs – zur Verfügung steht. Am Ende bleibt ihr nicht mehr zu sagen als: „Verbündet euch und probiert es aus, denn ohne Ausprobieren geht es in der aktuellen Hochschullandschaft nicht“. Sie selber würde erst wieder unter besonderen Umständen studieren: Mit anderen sehbehinderten Menschen zusammen, in einer erfahrenen Uni und mit Barrierefreiheit, die bereits in die Lehrveranstaltungen integriert ist.

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Die Initiative „Zweifellos – Finde deinen Weg" wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Initiative Bildungsketten.