Bühne
Ein Mann arbeitet an einem Serverschrank, überprüft Kabelverbindungen und hält ein Tablet in der Hand.
 
Nico: IT-Karriere trotz Studienabbruch und ADHS
Einleitung

Mit ADHS und Berufserfahrung statt Studium zum IT-Erfolg

Vier Semester lang hat Nico Informatik studiert. Für ihn war das Studium keine Bereicherung für den Alltag als Software-Entwickler. Es fällt ihm krankheitsbedingt schwer sich zu konzentrieren.

Schon in der Realschule machte Nico ein Praktikum bei einem Software-Entwickler. Die Arbeit lag ihm so gut, dass er eine Ausbildung begann und vom Betrieb übernommen wurde. Nach einiger Zeit merkte Nico aber: Einen Vollzeitjob wollte er noch nicht. Er holte sein Fachabitur nach und schrieb sich für das Informatikstudium ein. Inspiration dafür fand er bei seinen Freund*innen, denn Nico kommt aus keinem typischen Akademikerhaushalt. Mit den Lerninhalten tat sich Nico allerdings schwer. Die Regelstudienzeit zu erreichen, war in seinem Studiengang eine Herausforderung. Diese Erfahrung machten viele seiner Kommiliton*innen. Außerdem ging es Nico mental während seiner Studienzeit schlecht: Es war sehr stressig für ihn, er hatte Selbstzweifel und konnte sich nicht lange konzentrieren. Woran das lag, wusste Nico zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Text

Endlich die lebensverändernde Diagnose – Problem erkannt

Schließlich erfährt Nico, was mit ihm los ist: „Ich hatte das Gefühl, endlich herausgefunden zu haben, warum ich das Gefühl hatte, anders zu ticken als die Leute um mich herum“. Er weint, ist erleichtert. Er war nicht zu wenig intelligent oder faul für das Studium. Nein, er hat ADHS. Durch die Diagnose veränderte sich sein Umgang mit sich selbst. Er erkannte seine Stärken und Qualitäten besser an: „Grundsätzlich empfinde ich mein ADHS eigentlich als Bereicherung, nicht als Einschränkung“. Auch wenn es ihm an Konzentration mangelt, hat er viel Energie, ist neugierig und aufgeweckt und kann in chaotischen Situationen den Überblick und einen kühlen Kopf bewahren.

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Weniger Theorie, mehr Erfahrung

Es gab genug Gründe dafür, das Studium abzubrechen. Dennoch sorgte sich Nico, dass der Studienabbruch ein Makel im Lebenslauf ist. Eine Sorge, die – wie er bald merkte– unberechtigt war. Noch während er an der Uni eingeschrieben war, bekam er ein Jobangebot von ehemaligen Kommilitonen, die sich mit einem Startup selbstständig gemacht hatten. Und auch sonst schrieben ihn Menschen für Vorstellungsgespräche an. Ein Studium, so Nico, sei wichtig für Leute, die in die Wissenschaft gehen wollen. Ihm fehlte der Praxisbezug. Heute kann er in seinem Job so viel verdienen wie andere mit einem Master. Was sie an Theorie mitbringen, kompensiert er mit Erfahrung. Nicos Rat ist, ehrlich zu sich selbst zu sein: „Viel schlimmer, als das Studium abzubrechen, ist, das Studium durchzuziehen und später zu merken: Ich will gar nicht tun, was jetzt von mir erwartet wird“.

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Die Initiative „Zweifellos – Finde deinen Weg" wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Initiative Bildungsketten.