Studium der Kulturwissenschaften: Chronische Erkrankungen als Hürde
Ihr Studium bot ihr viel Freiheit: Flexibilität, die ihr ermöglichte, überhaupt zu studieren. Aber auch Flexibilität, weswegen Marie so lange studierte. Zwölf Semester liegen hinter ihr, als Marie ihr Studium abschließt. Eine Zeit, in der sie mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen hatte.
Marie kommt nicht aus einem Akademiker-Haushalt. Die meisten Menschen in ihrem familiären Umfeld haben eine Ausbildung absolviert. Für sie steht von Anfang an fest: Das Studium ist optional. Nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr im Kulturbereich interessiert sie sich aber besonders für einen Studiengang: Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis. Ein Studiengang, der – wie sie später merken wird – viel Freiraum schenkt, viel Lesestoff bereitstellt und auch einen hohen praktischen Anteil hat. Marie entscheidet sich für Literatur in ihrem praktischen Studienanteil. Schreiben gefällt ihr schon immer sehr. Sie besucht viele Kurse, doch schließt nur wenige Module und Prüfungen ab. Der „Berg“ ihrer Verpflichtungen wird immer größer.
Eine große Last: Depressionen und Endometriose
Maries Zweifel basieren nicht vordergründig auf ihrem Studiengang. Sie zweifelt an sich und ihrer Leistung. Sie hat Angst, das Studium abbrechen zu müssen. Dazu kommt, dass die Kulturwissenschaften als Geisteswissenschaft oft gesellschaftlich abgewertet werden. Berufliche Aussichten sind unklar. 2018 findet Marie heraus, dass sie Endometriose hat. Marie hat starke Schmerzen. Zudem leidet Marie an depressiven Episoden: Ihre „schlechte Stimmung“ und die gesellschaftliche Unterstellung des „Faulseins“ kennt sie nur zu gut.
Kommunikation ist der Schlüssel
Obwohl Marie immer noch mit Depressionen und Endometriose kämpfen muss, hat sie gelernt, damit umzugehen. Sehr wichtig war dabei der Austausch mit anderen. Als sie die Geschichten von anderen Betroffenen hörte, fiel es ihr leichter, die Krankheiten zu akzeptieren und ihre Leistungen als wertvoll anzuerkennen. Sie kann damit umgehen, dass ihr an manchen Tagen weniger Energie zur Verfügung steht und dass andere es verstehen, wenn sie das kommuniziert.
Marie spricht von unsichtbaren Erkrankungen: Erkrankungen, die zwar von außen unsichtbar sind, aber große Effekte auf ihr Studium und den Alltag haben. Doch sie ist zuversichtlich. Zuversichtlich, dass nicht lineare Bildungswege weniger stigmatisiert und Bildung und Arbeit mehr auf den einzelnen Menschen abgestimmt werden. Und damit auch auf deren Erkrankungen wie Endometriose oder Depression.